"Die Ergebnisse in der Schweiz mit einem EBIT von CHF 31 Mio. waren schlichtweg aus­gezeichnet."
Markus Bernhard, CEO

Wie beurteilen Sie das Jahresergebnis 2020? 

Insgesamt sind wir mit den finanziellen Ergebnissen den Umständen entsprechend sehr zufrieden. Die Ergebnisse in der Schweiz, mit einem EBIT von etwas über CHF 31 Millionen (2019: CHF 26 Millionen) waren schlichtweg ausgezeichnet und mit Abstand das beste Ergebnis der über 20-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Ergebnis in Deutschland war insgesamt nicht zufriedenstellend. Die Umstrukturierungen, Einmalbelastungen und die Pandemie haben das Ergebnis sehr stark beeinflusst, sodass wir dort einen EBIT von CHF 12 Millionen (2019: 29 Millionen) erzielt haben. Wir sind zuversichtlich, ab Frühling 2021 eine Erholung im stationären indirekten B2B-Geschäft mit mobilezone Handel in Deutschland zu erreichen. 
Mit unserem Online-Geschäft in Deutschland sind wir zufrieden und konnten es im Geschäftsjahr 2020 um 4,6 Prozent auf 567’000 abgeschlossene Verträge weiter ausbauen und nachhaltig stärken. Mit pricezilla.de haben wir im 4. Quartal 2020 eine neue Online-Plattform lanciert. Damit wollen wir in Deutschland unsere Online-Strategie weiter ausbauen und mit der Erschliessung von neuen Kundengruppen das vorhandene Potential im Bereich Mobilfunk ohne Verträge sowie Konnektivitäts-Produkte nutzen. 

Das Coronavirus hatte im vergangenen Jahr starken Einfluss auf die Wirtschaft. Wie hat die Pandemie die mobilezone Gruppe beeinflusst und wo steht sie heute?

Corona hat unser Geschäft im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2020 stark beeinflusst. Nachdem die mobilezone Gruppe sehr gut ins Jahr gestartet war und bis Mitte März 2020 bei den wichtigsten Kennzahlen über den Vorjahreszahlen unterwegs war, wurde diese erfreuliche Entwicklung mit dem Corona-Lockdown Mitte März abrupt gebremst. Die Pandemie hat unser Geschäft insbesondere im ersten Halbjahr stark belastet. Im zweiten Halbjahr hat sich unser Online-Geschäft in Deutschland und insbesondere das Schweizer Geschäft sehr positiv entwickelt. Das indirekte B2B-Geschäft in Deutschland konnte die Auswirkungen der Pandemie auf die Ergebnisse auch im zweiten Halbjahr nicht verbergen. Das Schweizer Retail-Geschäft zeigte im November und Dezember 2020, auch bedingt durch die verstärkten Massnahmen von Bund und einzelnen Kantonen, einen Rückgang in den Frequenzen von zirka 20 Prozent.  
Der zweite Lockdown in der Schweiz ab Mitte Januar 2021, mit der Schliessung vieler Retail-Geschäfte und der Home-Office-Pflicht, hat die Frequenzen in unseren  Shops gegenüber dem Vorjahr um sogar 30 Prozent belastet. Trotzdem ist das Geschäft im Schweizer Retail, was unseren EBIT in den ersten beiden Monaten betrifft, nur leicht unter dem starken Vorjahr. Die Kunden kommen gezielter mit Kaufabsichten in unsere 123 Shops. 
Die Pandemie hat uns aufgezeigt, dass wir über ein resilientes Geschäftsmodell verfügen. Mit Beginn des ersten Lockdowns Mitte März waren wir ab dem ersten Tag bereit  für das Arbeiten von zu Hause. Für die Zukunft werden wir mitnehmen – insbesondere auch mit dem Austausch zwischen Deutschland und der Schweiz, dass Videokonferenzen mit Teams, Zoom oder Skype zum Alltag gehören und unsere Kommunikation mit internen wie auch externen Gesprächspartnern erleichtern. 

mobilezone hat am 13. Mai 2020 als eines der ersten an der SIX kotierten Unternehmen die Finanzziele für das Jahr 2020 angepasst.  
Welche Bilanz ziehen Sie? 

Wir haben tatsächlich bezüglich unserer  Financial Guidance 2020 und 2021 bereits zwei Tage nach Beendigung des Lockdowns sehr früh informiert. Wir haben dafür sowohl intern als auch extern grosse  Zustimmung erlebt. Schlussendlich lagen wir  mit unserer Einschätzung, ohne Erwartung einer zweiten Welle, mit einem EBIT von CHF 44 Millionen leicht über der genannten Bandbreite von CHF 38 bis  43 Millionen.

Im Halbjahresbericht 2020 haben Sie gesagt, dass Sie das Jahr 2020 als Übergangsjahr sehen, in dem die Gesellschaften innerhalb der Gruppe klar positioniert und das jeweilige Profil geschärft werden soll. Wo stehen Sie in diesem Konsolidierungsprozess?

Unsere Restrukturierungsmassnahmen sind mit dem Verkauf des Repair-Geschäftes in Österreich im Dezember und dem Verkauf des Grosshandelsgeschäfts Ende Januar 2021 in Deutschland abgeschlossen. Wir sind nun für unser Kerngeschäft optimal aufgestellt und planen keine weiteren Veränderungen im laufenden Geschäftsjahr 2021.

Den Grossteil der Einnahmen im Schweizer Geschäft machen Sie in Ihren über 120 Shops. Corona hat im Frühling zu einem landesweiten Lockdown geführt. Haben Sie Massnahmen getroffen, beispielsweise in Bezug auf Investitionen ins  Online-Geschäft?

Während der acht Wochen Lockdown in der Schweiz ab Mitte März konnten wir von unseren 123 Shops 24 Shops mit reduzierten Öffnungszeiten immer offenhalten. Wir haben uns dabei an die bundesrätliche Verordnung gehalten, wonach Shops für Telekommunikation geöffnet bleiben durften. Bei den offenen Shops wurde während des Lockdowns ein Rückgang der Kundenfrequenzen von 61 Prozent gemessen. Die verschärften Massnahmen ab November 2020 haben unser Geschäft sehr viel weniger beeinflusst.  
Bis 2022 wollen wir sämtliche unserer über 120 Shops in der Schweiz im neustem Layout präsentieren. Im Geschäftsjahr 2020 haben wir 20 Shops umgebaut. 2021 planen wir rund 45 Shops zu renovieren. 
Für die Jahre 2021 und 2022 planen wir den Ausbau des Online-Geschäftes sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland. In der Schweiz schaffen wir zusätzliche Arbeitsplätze und investieren weiter in die Technologie.  

Das Tochterunternehmen von mobilezone, die mobiletouch, verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 einen Rückgang der Reparaturen um 57 Prozent. Was waren die Gründe dafür und wie sieht es im Repair-Geschäft heute aus?

Die Pandemie hat das Repair-Geschäft sowohl in der Schweiz als auch in Österreich stark belastet. Viele unserer Partner hatten ihre Shops teilweise geschlossen. Das Geschäft in Österreich konnten wir im Dezember 2020 verkaufen. Das Schweizer Repair-Geschäft hat sich mittlerweile erholt und wir sind zuversichtlich, dass wir im laufenden Geschäftsjahr 2021 ein positives Ergebnis erzielen werden. Das Schweizer Repair-Geschäft ist ein wichtiger Eckpfeiler unserer Wertschöpfungskette im Schweizer Geschäftsmodell. Neben dem traditionellen Repair-Geschäft werden beispielsweise gebrauchte, zurückgekaufte Smartphones wiederaufbereitet und mit unserer im Sommer lancierten Marke jusit wieder in den Smartphone-Kreislauf integriert. Die gebrauchten Smartphones werden auf  
www.get-jusit.ch sowie offline in ausgewählten mobilezone Shops verkauft. Das Thema Smart­phone-Kreislauf ist eines von vier Fokusthemen unserer Nachhaltigkeitsstrategie.

Sie haben es bereits angesprochen: Per Ende 2020 haben Sie mit der mobiletouch Austria das Repair-Geschäft in Österreich verkauft. Hängt der Verkauf mit dem rückläufigen Reparaturgeschäft zusammen? 

Im Rahmen der weiteren Fokussierung auf unsere Kernstrategie und die Geschäftsaktivitäten in der Schweiz und Deutschland haben wir unser Reparaturgeschäft in Österreich an einen Investor aus dem industriellen Sektor verkauft. Das Reparaturgeschäft in der Schweiz hingegen ist für uns strategisch sehr wichtig und wir werden auch in Zukunft daran festhalten.

Im Halbjahresbericht haben Sie Zuversicht in Bezug auf das B2B-Geschäft geäussert. Hat sich diese bestätigt?

Das Schweizer B2B-Geschäft hat die Pandemie unbeschadet «überstanden» und ein ausgezeichnetes Ergebnis erzielt. Es ist uns gut gelungen, insbesondere unser ServiceGeschäft mit Fleet-Management und  Device as a Service weiter auszubauen. Das B2B-Geschäft in Deutschland hat auch im zweiten Halbjahr stark unter den Shop-Schliessungen unserer Handelspartner gelitten. In Deutschland betreibt mobilezone keine eigenen physischen Shops.

In den vergangenen Jahren standen verschiedene Akquisitionen im Vordergrund – das Thema Marktanteilsgewinne ist in der Strategie fest verankert. Im Halbjahresbericht haben Sie jedoch gesagt, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren keine Expansionen in Deutschland geplant sind. Wie planen Sie, trotzdem zu wachsen?

Nach den drei Akquisitionen in Deutschland seit 2015 haben wir das Jahr 2020 für die Zusammenführung und Bereinigung der Geschäftsaktivitäten genutzt. Wir planen online zu wachsen. In der Vergangenheit haben wir unsere Kernkompetenz im Mobilfunk-Kartengeschäft genutzt, um über unsere Online-Plattformen Verträge zu verkaufen. Mit 567’000 (Vorjahr: 542’000) aktivierten Verträgen sind wir im indirekten Online-Geschäft die Nummer 1 in Deutschland.  
Mit pricezilla.de haben wir im November eine neue Marke für Produkte rund um das Thema Mobilfunk und Konnektivität lanciert und bieten erstmals Produkte wie Tablets, Wearables, Bluetooth Speaker, Kopfhörer, Buds und Airpods oder Zubehör wie Stecker und Kabel, Docking Stations, Smartphone-Hüllen und Schutzfolien ohne Mobilfunkvertrag von verschiedensten Herstellern an. Mit der neuen Marke wollen wir unsere Online-Strategie weiter vorantreiben und neue Kundengruppen erschliessen. 

Im vergangenen Jahr haben Sie unter dem Dach von mobilezone Handel die Vertriebsaktivitäten im Bereich Business to Business in Deutschland zusammengeführt. Können Sie ein erstes Fazit ziehen?

Wir haben vor bald sechs Jahren, im März 2015, die einsAmobile GmbH erworben und mit den Zukäufen der TPHCom Anfang 2018 und der SH Mitte 2019 das Geschäft in Deutschland stark ausgebaut. Die Gesellschaften waren mehrheitlich autonom organisiert. Mit der Zusammenführung der B2B-Geschäftsbereiche der einzelnen Gesellschaften in der Gesellschaft mobilezone Handel haben wir unsere  Organisation in Deutschland effizienter aufgestellt. Im Ergebnis vereinfachen wir die Abläufe in der Organisation und vermeiden möglichst Doppelspurigkeiten und erzielen gleichzeitig signifikante Kostenersparnisse. 75 Prozent der Anteile der einsAmobile GmbH mit dem verbleibenden Geschäftsbereich Grosshandel haben wir im Januar 2021 verkauft.

Ende 2020 haben Sie Jens Barth als Chief Digital Officer in die Konzernleitung berufen. Was versprechen Sie sich von dieser Erweiterung der Konzernleitung?

Mit Jens haben wir einen ausgewiesenen Digital-Experten in unseren Reihen, der die Online-Strategie der mobilezone Gruppe entscheidend mitprägen wird. Mit seiner über 20-jährigen Erfahrung im Telekommunikationsmarkt wird er unser  Online-Geschäft weiter stärken und einen wichtigen Beitrag zu unserer Wachstumsstrategie leisten.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was tut mobilezone, um fit für die Zukunft zu sein? 

Wir werden uns in vielerlei Hinsicht weiter sehr agil am Markt bewegen und in unserem täglichen Schaffen alles daran setzen, unsere strategischen Eckpfeiler nachhaltig zu stärken: 

 

  • Wachstum beziehungsweise Gewinnung von Marktanteilen
  • Stärkung und Ausbau der Online-Präsenz
  • Ausbau des Service-Angebotes im B2B- und B2C-Geschäft
  • Stärkung der Drive-to-Shop-Strategie in der Schweiz im Rahmen der Omni-Channel-Strategie
  • Ausbau der wiederkehrenden Einkünfte
  • Fortführung einer attraktiven Dividenden- und Ausschüttungspolitik
  • Bekennung zur Nachhaltigkeit und Fortführung der Nachhaltigkeitsstrategie

Sie haben das Thema Nachhaltigkeitsstrategie bereits angesprochen: Nachhaltigkeit ist in aller Munde: Viele Unternehmen entwickeln eine strategie und setzen Massnahmen in diesem Bereich um. Wie sieht die Nachhaltigkeitsstrategie von mobilezone aus?

Das Thema Nachhaltigkeit beschränkt sich  nicht nur auf ökologische Themen, sondern auch auf ökonomische und soziale.  mobilezone ist diesbezüglich schon lange nachhaltig unterwegs – mit fairen und zeitgemässen Arbeitsbedingungen und Entlöhnungen, modernen Arbeitsplätzen und attraktiven Fringe Benefits für Mitarbeitende. Wir sind seit 2001 ein Ausbildungsbetrieb und bilden Lernende aus. Im Jahr 2020 haben wir zudem ein Trainee-Programm lanciert, welches uns junge Talente ins Unternehmen gebracht hat. 

Bereits im Geschäftsbericht 2019 haben wir zum Thema Nachhaltigkeit berichtet, haben aber im Laufe dieses Jahres beschlossen, das Thema strategischer anzugehen. Wir haben deshalb während des ersten Lockdowns ein Projekt-Team gegründet. Dieses hat in einer Wesentlichkeitsanalyse konzernweit unsere Mitarbeitenden sowie die wichtigsten externen Stakeholder befragt. In einer Impact-Analyse hat das Team zudem die verschiedenen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens auf das Thema Nachhaltigkeit hin untersucht sowie einen Workshop mit dem Management durchgeführt. Dabei  
sind auch die Impacts in unserer Lieferkette zur Sprache gekommen und wir haben  
diskutiert, welche Einflussmöglichkeiten  
mobilezone hier hat. Als Resultat daraus ist die Nachhaltigkeitsstrategie von mobilezone entstanden, fussend auf den vier Fokusthemen Mitarbeitende, Kunden, Smartphone-Kreislauf und Umwelt-Management. Es war uns stets wichtig, dass wir mit unserer Strategie nahe am Kerngeschäft bleiben. Ein wichtiges Ziel für uns war es, unseren Nachhaltigkeitsbericht so aufzubereiten, dass wir unseren Aktionären sowie den Analysten und weiteren Interessierten unsere Strategie sowie unsere Nachhaltigkeitsdaten zur Verfügung stellen können. Wir haben uns deshalb für ein Reporting nach GRI-Standards entschieden. Das Resultat sehen Sie ab  
Seite 28. 

Apropos Nachhaltigkeit: Im September haben Sie mit Jusit die erste Schweizer Produktmarke für gebrauchte Smartphones lanciert. Ist das ein Projekt im Sinne des Smartphone-Kreislaufs mit Einfluss auf die Lieferkette?

Ja, auch aus Sicht der Nachhaltigkeit macht es Sinn, Handys länger im Kreislauf zu behalten. Wir nehmen bereits seit vielen Jahren nicht mehr benötigte Smartphones zurück, um sie von unseren eigenen zertifizierten und von den Herstellern autorisierten Technikern prüfen, reinigen und instand setzen zu lassen. Die Geräte stammen aus unserem Business-Bereich, aber auch von Shop-Kunden, von welchen wir ihr altes Smartphone zum Restwert zurückkaufen. Mit jusit haben wir die dazugehörige Marke gebildet, um unser Ziel, im Bereich der gebrauchten Smartphones unsere Position als Nummer 1 auszubauen, zu erreichen. Das ist ökologisch und ökonomisch sehr sinnvoll. 

Wie möchten Sie diese Ziele erreichen?

Wir haben das physische Angebot bis Ende 2020 in zehn unserer über 120 mobilezone Shops ausgerollt. Bis Ende 2021 ist geplant, dass weitere Shops mit dem jusit-Angebot ausgerüstet werden.